Von Enya und Marie
13.10.2025 bis zum 17.10.2025
Im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage war es uns (Enya Ulferts und Marie Okoroh) möglich ein einwöchiges Praktikum (13.10-17.10.2025) im Bundestagsbüro des Abgeordneten für den Wahlkreis Aurich/Emden, Johann Saathoff, zu absolvieren.
Nachdem wir bereits einen Tag vor Praktikumsbeginn mit der Bahn angereist waren, begrüßte uns die Landeshauptstadt mit herbstlichem Wetter. Schon auf unserem Weg zum Hotel konnten wir die ersten Blicke auf das Regierungsviertel und damit unseren Praktikumsplatz erhaschen.
Am Montagmorgen machten wir uns gespannt auf zum Paul-Löbe-Haus, wo wir nach der Sicherheitskontrolle herzlich von unserer Praktikumsbetreuerin, Kornelia Urban, empfangen wurden. Der erste Tag sollte primär der Orientierung dienen. Im Büro angekommen lernten wir auch den wissenschaftlichen Mitarbeiter des Büros, Torsten Stein, kennen. Herr Saathoff befand sich zu diesem Zeitpunkt noch auf einer Dienstreise im europäischen Ausland. Im Anschluss brachen wir zu einer Führung auf. Interessant und von außen nicht zu erkennen ist, dass die unterschiedlichen Gebäude mithilfe des unterirdischen Erschließungssystem (UES) miteinander verbunden sind. Dies ermöglicht den schnellen Wechsel zwischen den Gebäuden und schafft quasi eine eigene Welt. Was am Anfang relativ willkürlich wirkt, wird bereits nach ein paar Tagen und durch einige Eselsbrücken ziemlich logisch. Im Verlauf der Führung stießen wir immer wieder auch auf Kunstwerke und Denkmäler. So ist beispielsweise der ehemalige Verlauf der Mauer auf dem Boden markiert oder Teile der alten Tunnel, die Ost- und West-Berlin verbanden und damals verschlossen waren, sind noch erhalten. Im Anschluss begaben wir uns zur zentralen Ausweisstelle, um unsere bereits vor dem Praktikum beantragten Hausausweise abzuholen. Nun konnten wir uns auch ohne Begleitperson frei in den Gebäuden bewegen. Es folgte eine Mittagspause in der hauseigenen Kantine, welche über ein hochwertiges und breites Angebot verfügt.
Nach dieser Stärkung durften wir dabei sein, als der aus Emden stammende Jonas Bekaan (19) das Büro besuchte. Dieser war für seine Teilnahme an dem Planspiel „Jugend und Parlament“ vom 11. bis 14. Oktober 2025 nach Berlin gereist. Bei einer Tasse ostfriesischem Tee erklärte er uns das Spiel. Dabei übernehmen die ausgewählten 250 jungen Erwachsenen die Rollen fiktiver Abgeordneter in drei fiktiven Fraktionen.
Direkt am nächsten Morgen sollten wir herausfinden, wie die AG-Absprachen in einer Ausschusssitzung ihre Anwendung finden. Diesmal nahmen wir auf den oberen Zuschauerrängen des Raumes Platz; hier gilt ein strenges Handyverbot. In der Ausschusssitzung sind Abgeordnete von verschiedenen Parteien vertreten. Außerdem gibt es eine feste Tagesordnung mit vorher festgelegten Redezeiten. Zu den einzelnen Tagespunkten wurden in diesem Fall auch Gäste von außerhalb eingeladen. Hierfür waren Diene Keita (Exekutivdirektorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, UNFPA) zu Besuch, um über die aktuelle Situation des United Nations Fund for Population Activities zu berichten. Die andere Gruppe bestand aus Vertretern der Impfallianz Gavi, welche primär von Dr. Sania Nishtar, der Vorstandsvorsitzenden, vertreten wurde. Begleitet wurde sie auch von Peter Sands dem Exekutivdirektor Global Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria (kurz: GFATM). Beide berichteten über ihre Arbeit angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage. Die Arbeit der einzelnen Fonds und Organisationen wurde jeweils in einem Redebeitrag kurz vorgestellt, bevor es in eine zeitlich begrenzte Frage-Antwort-Runde ging. Kernthemen hierbei waren, die Verwendung von finanziellen Mitteln, welche durch die Bundesregierung bereitgestellt werden und welche Errungenschaften und Leistungen mit ihnen in der Vergangenheit bereits erreicht werden konnten. Hier stellten wir zum ersten Mal fest, wie essenziell das Beherrschen der englischen Sprache ist, denn die Vertreter sprachen primär Englisch, aber auch Französisch. Hierfür stehen in der Ausschusssitzung an sich natürlich Dolmetscher bereit. Jedoch ist für viele Gespräche trotzdem das sichere Beherrschen der englischen Sprache unerlässlich.
Zurück im Büro war Herr Saathoff von seiner Dienstreise zurückgekehrt. In einem Gespräch berichtete er uns nicht nur von seiner Reise, sondern auch vom Alltag als Politiker, vom Wahlkampf und den Dingen, die ihn motivieren. Für uns wurde in diesem Gespräch deutlich, dass, demokratischer Politiker zu sein mehr ist als nur ein simpler Beruf. Wir waren vollkommen inspiriert und hatten bei allen Gesprächen das Gefühl, nicht nur ernst genommen zu werden, sondern fühlten uns auch die gesamte Zeit ermutigt, Fragen zu stellen. Für uns ging es danach mit Plenumskarten auf die Zuschauerränge des Plenarsaals, während Herr Saathoff seinen Platz auf der Regierungsbank einnahm. Zeit für ein Foto gab es trotzdem noch auf dem Weg. Die nächsten zwei Stunden hörten wir gespannt der Befragung der Bundesregierung, sowie der darauffolgenden Fragestunde zu.
Am Donnerstagmorgen machten wir uns mit Post im Gepäck auf den Weg in Richtung des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). In diesem fungiert Herr Saathoff als Parlamentarischer Staatssekretär. Er teilt sich diese Position mit Dr. Bärbel Kofler. Das Ministerium sitzt primär in Berlin, aber unterhält auch immer noch seine ehemalige Stelle in Bonn. Im BMZ angekommen, wurden wir vom Mitarbeiter des dortigen Büros begrüßt, der uns im Anschluss durch das Gebäude führte. Auf unserer Tour durch das Gebäude besichtigten wir die Räumlichkeiten des Staatssekretärs und durften die Mitarbeiter kennenlernen und Fragen stellen. Unter anderem ging es für uns auf die Dachterrasse, von der sich aufgrund der zentralen Lage ein phänomenaler Blick über die gesamte Stadt bot. Im Anschluss konnten wir die Räume besuchen, in denen Gäste und Delegationen empfangen werden. Wir lernten, wie der typische Ablauf eines solchen Besuches aussieht und auf welche Details geachtet werden muss. Im Anschluss durften wir dem Mitarbeiter noch all unsere Fragen stellen. Er erklärte uns wie die verschiedenen Werdegänge der Angestellten im Ministerium aussehen. Wir verabschiedeten uns und begaben uns mithilfe der S-Bahn wieder zurück in Richtung Paul-Löbe-Haus.
Nach dem Mittagessen ging es für uns zügig zum nächsten Programmpunkt. Eine Gruppe junger Vertreter verschiedener Staaten war im Rahmen eines UN-Programms für junge Regierungsbeamte nach Berlin gekommen. Auf dem Plan stand ein Gespräch mit Herrn Saathoff, welches sich auf seine Tätigkeiten als parlamentarischer Staatssekretär konzentrierte. Dieses fand, wie viele andere Gespräche, ausschließlich auf Englisch statt. Thematisch interessierten sich die jungen Besucher für sehr viele Themen aus der deutschen Außenpolitik. Auch wir konnten aus diesem Gespräch sehr viel mitnehmen und im Anschluss besser die Rolle Deutschlands in der Welt verstehen. Besonders beeindruckt hat uns, dass Herr Saathoff ad hoc nicht nur quer durch den gesamten Bereich der Außenpolitik Fragen tiefgreifend und ausführlich beantworten konnte, sondern diese mit einer Vielzahl an Zahlen belegen konnte.
An unserem letzten Tag begaben wir uns direkt zu Beginn auf die Zuschauerränge des Plenarsaals, von denen aus wir Herr Saathoff wieder auf der Regierungsbank beobachten konnten. An diesem Tag wurden Anträge verschiedener Fraktionen verhandelt. Später trafen wir uns mit dem gesamten Team zum Mittagessen. Anschließend gab es ein Abschlussgespräch, bei dem es für uns ein Feedback und ein Geschenk gab, bevor es zum letzten Termin der Praktikumswoche ging. Eine Gruppe, bestehend aus 44 internationalen Austauschschülerinnen und -schülern aus 16 verschiedenen Nationen, war mit sechs deutschen Schülern des Rotary Clubs in Ostfriesland auf ihrer Reise durch Deutschland nach Berlin gekommen. Sie wurden im Fraktionssaal der SPD empfangen, wo sich Herr Saathoff Zeit nahm und ihren Fragen Rede und Antwort stand. Abschließend fuhren wir mit dem Fahrstuhl für ein Gruppenfoto und diverse Selfies hinauf auf die Kuppel des Bundestages. Ein letztes Mal passierten wir nun das Paul-Löbe-Haus, bevor wir uns vom Team verabschiedeten und auf eine unvergessliche Zeit zurückblicken konnten. Am Ende des Praktikums gaben wir unsere Hausausweise wieder ab, bevor es gegen Abend für uns mit dem Zug wieder in Richtung Heimat Ostfriesland ging.
Für uns war das Praktikum eine einmalige Möglichkeit hinter die Kulissen zu schauen und gelernte Inhalte aus dem Unterricht in der realen Welt wieder zu entdecken. Die Möglichkeit, in einem Praktikum so viel hinter die Kulissen zu schauen und Input zu bekommen, war einmalig.
Besonders der Umgang innerhalb der Partei und im Büro ist sehr herzlich, wertschätzend und einladend. Auch das Engagement und das Fachwissen des gesamten Teams hat uns beeindruckt. Tag für Tag arbeitet es im Hintergrund und ermöglicht so den reibungslosen Arbeitstag für den Abgeordneten bzw. Staatssekretär und in diesem Fall auch die Praktikantinnen.
Ein großes Dankeschön an Johann Saathoff, Kornelia Urban und Torsten Stein, sowie die Auricher Wissenschaftstage.
Enya und Marie









