Von Torben und Edward

07.07.2025 bis zum 18.07.2025

Unser zweiwöchiges Praktikum im Museum und Park Kalkriese, einer Einrichtung der Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH, begann am Montag, den 7. Juli 2025. 

Torben Janssen und Edward Leier vor einer Replika der gefundenen Reitermaske

Nachdem wir (Torben Janssen und Edward Leier) freundlich begrüßt wurden, erfolgte eine Führung durch die Räumlichkeiten und eine Vorstellung bei den Mitarbeitenden. Das Institut ist in zwei verschiedene Abteilungen gegliedert: In der ersten Woche unseres Praktikums arbeiteten wir im archäologischen Bereich, während die zweite Woche dem Bereich Bildung und Vermittlung (Museumspädagogik) vorbehalten war.

Das Institut widmet sich der Erforschung der Varusschlacht, die vermutlich im Jahr 9 n. Chr. in der Region um Kalkriese stattfand. Obwohl nahezu eintausend Theorien über den Austragungsort der Varusschlacht kursieren, lieferte bis jetzt lediglich Kalkriese echte Funde. Aus diesem Grund wurde dieser Ort in ein Museum und einen Erlebnispark ausgebaut, der Besucherinnen und Besuchern jeden Alters einen einfachen Zugang zur römisch-germanischen Geschichte ermöglicht.

Erste Woche: Archäologische Abteilung

Die ersten beiden Tage dienten hauptsächlich der theoretischen Einführung in zentrale Themen des römischen Militärs. Unser Betreuer für diesen Aufgabenbereich war Herr Marc Rappe. Er erläuterte uns die entsprechenden Inhalte. Wir lernten beispielsweise die römische Militärstruktur sowie Ausrüstung kennen und beschäftigten uns mit der Numismatik (also der Wissenschaft von den Münzen). Besonders spannend war dabei die Bedeutung der Münzfunde in Kalkriese: Eine einzelne Münze kann erstaunlich viele Informationen enthalten – von der Regierungszeit des Kaisers bis hin zu wirtschaftlichen Zusammenhängen im Römischen Reich. Deshalb ist es kein Wunder, dass dieses Thema uns bis zum Ende des Praktikums begleitet hat, da ein großer Teil der in Kalkriese geborgenen Funde besteht aus römischen Münzen.

Ausschnitt aus einer Münzsammlung des Museums

Am Mittwoch begleiteten wir eine Führung einer sechsten Schulklasse. Dabei handelte es sich um eine interaktive Mitmachführung, bei der die Kinder in Gruppen als „Römer“ und „Germanen“ kleinere Ereignisse der Varusschlacht aktiv nachspielen konnten – so etwa den Angriff der Germanen auf die Römer und den anschließenden Verlust des Legionsadlers (Aquila). Solch eine lebendige Form der Wissensvermittlung zeigte uns eindrucksvoll, wie Geschichte durch aktives Mitwirken nicht nur verständlicher, sondern auch greifbarer wird.

Am Donnerstag und Freitag durften wir einzeln einen Archäologen, Herrn Stefan Zeisler, beim Sondengehen begleiten. Er hatte bereits seit Beginn der Woche ein bestimmtes Feld untersucht, auf dem Jahre zuvor bereits einige antike Münzen entdeckt worden waren. Obwohl wir während unserer Teilnahme keine weiteren Funde machten, erhielten wir spannende Einblicke in die praktische Arbeitsweise der Archäologie. In Gesprächen mit dem Archäologen erfuhren wir viel über die Methodik des Sondengehens, die Bedeutung einer sorgfältigen Dokumentation und die rechtlichen Vorgaben, unter denen archäologische Prospektionen stattfinden. Daher durften wir selbstverständlich nicht selbst Sondengehen. Das Bild links mit Torben in der Ausrüstung eines Sondengängers dient lediglich zum Zweck der Veranschaulichung.

Darüber hinaus erhielten wir einen Einblick in die umfangreiche Münzensammlung des Museums und erfuhren, welche Arbeiten im Bereich der Archivierung und Dokumentationen dort durchgeführt werden. Außerdem durften wir mit echten Tonscherben antiker Gefäße arbeiten, die wir gemeinsam mit den Mitarbeitenden katalogisierten und in eine Fundliste eintrugen. 

Zweite Woche: Museumspädagogik und Vermittlungsarbeit

Torben Janssen in der Ausrüstung eines Sondengängers

Damit endete unsere erste Woche im archäologischen Bereich, und wir wechselten in der zweiten Woche in die Abteilung Bildung und Vermittlung, also die museumspädagogische Arbeit. Während dieser Woche wurden wir von Frau Ute Bühning und Herrn Ingo Petri in die Aufgaben und Verantwortungen der Museumspädagogik eingeführt. 

Am Montag mussten wir beispielsweise mit Frau Bühning die Präparate und Exponate in der Sonderausstellung überprüfen. Die Sonderausstellung beschäftigte sich mit Bodenstrukturen und welcher Boden inwiefern der Archäologie helfen kann. So tragen Moorböden durch ihren hohen Feuchtigkeitsgehalt sowie Sauerstoffmangel wesentlich zum Erhalt organischer Materialien wie Holz oder Leder bei, die unter normalen Bedingungen längst vergangen wären. Es war unfassbar interessant, sich mit diesem Gebiet auseinanderzusetzen, da wir es vorher gar nicht realisiert hatten, dass sogar Bodentypen einen enormen Einfluss auf die archäologische Forschung haben. 

Des Weiteren unterstützen wir Gästeführerinnen und Gästeführer bei ihren Führungen und erhielten so einen vielseitigen Einblick in die unterschiedlichen Formen der Vermittlungsarbeit. Das Museum legt großen Wert auf interaktives Lernen: In einer Führung erhielten Kinder zunächst im Museum eine Einführung in die historischen Hintergründe der Varusschlacht und setzten das erworbene Wissen anschließend kreativ um, indem sie mithilfe von Playmobilfiguren eigene Stop-Motion-Filme erstellten. Davor bot sich ihnen zudem die Möglichkeit sich als Römer und Germanen zu verkleiden, um ein direktes Gefühl dafür zu bekommen, wie sich Kleidung und Ausrüstung in jeder Zeit getragen haben könnten.

Am Mittwoch waren wir beim „Grabungscamp“ und unterstützen die dortige Führung. Dies ist ein Gebäude auf dem Gelände des Parks, wo die Arbeit eines Archäologen anschaulich simuliert wird. In mehreren mit Sand gefüllten Becken sind dort versteckte Fundstücke verborgen, die Besucherinnen und Besucher mit Schaufel, Eimer und Bürste freilegen können. Solche Funde könnten ein Schwert oder eine Eisenkette sein, die nach realen Funden konzipiert wurden.

Am Donnerstag, unserem vorletzten Tag, begleiteten wir eine weitere Mitmachaktion im Außenbereich. Dort konnten Gäste den Bau einer germanischen Hauswand aus Lehm simulieren. Außerdem konnten sie Lehmziegel mit dem eigenen Namen oder kleine Spielwürfel formen. 
Bausimulation einer römischen Lehmmauer
Eines der größten Highlights unseres gesamten Praktikums war jedoch die Begegnung mit einem außergewöhnlichen Fundstück: dem römischen Schienenpanzer, der 2018 auf dem Gelände von Kalkriese entdeckt und geborgen wurde. Dieser nahezu vollständig erhaltene Panzer stammt aus der augusteischen Zeit. Dieser Fund gilt als der älteste bislang bekannte Schienenpanzer überhaupt und stellt somit eine archäologische Besonderheit von herausragender Bedeutung dar. 
Ausstellung des Originalfunds des römischen Schienenpanzers 2018

Aufgrund seiner extremen Fragilität dauerte es lange, bis er vollständig aus dem Blockschnitt geborgen werden konnte. Da selbst kleine Vibrationen dazu führen könnten, dass er zerfällt, war zunächst nicht geplant, ihn der Öffentlichkeit zu zeigen. Letztlich entschied sich das Museum jedoch, dem großen Interesse der Besucherinnen und Besucher zu entsprechen und den Panzer auszustellen. 

Um die Typologie und Funktionsweise eines solchen Schienenpanzers besser zu verstehen, arbeiteten wir mit Replikaten, die wir von Rost säuberten. Das Museum hat für Kinder und Erwachsene eigene Schienenpanzer anfertigen lassen, die möglichst genau nach dem historischen Original konstruiert wurden. Um so eine realistische Nachbildung zu gewährleisten, wird dabei dasselbe Material verwendet, was jedoch zur Folge hat, dass die Replikate – ebenso wie das Original – anfällig für Rost sind. Mit dieser praktischen Arbeit wurden uns die Herausforderungen, die mit der Erhaltung und Vermittlung antiker Metallfunde verbunden sind, veranschaulicht.

Damit endete unserer Zeit als Praktikanten im Museum und Park Kalkriese. Am Freitag traten wir etwas früher die Rückreise an und kehrten nach Aurich zurück. Abschließend bedanken wir uns herzlich bei den Organisatoren der Auricher Wissenschaftstage sowie bei den Mitarbeitenden der Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH – Museum und Park Kalkriese für die spannende und lehrreiche Zeit, die uns viele wichtige Erkenntnisse und wertvolle Einblicke in die archäologische und museumspädagogische Arbeit ermöglicht hat.

Replikation des römischen Schienenpanzers aus demselben Material