5. Juni 2026
Vom 13.10.2025 bis zum 24.10.2025
Im Zeitraum vom 13.10.2025 bis zum 24.10.2025 absolvierten wir ein zweiwöchiges Praktikum bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin.
Ziel unseres Aufenthalts war es, einen möglichst umfassenden Einblick in die
materialwissenschaftliche Forschung zu erhalten und sowohl praktische als auch
theoretische Erfahrungen in unterschiedlichen Fachbereichen zu sammeln. Da wir uns
besonders für naturwissenschaftliche und technische Fragestellungen interessieren,
bot uns dieses Praktikum die Möglichkeit, moderne Analyseverfahren,
Werkstoffprüfung, Legierungsherstellung sowie aktuelle Entwicklungen im Bereich der
Laborautomatisierung kennenzulernen. Neben dem Hauptstandort in der Straße „Unter
den Eichen“ besuchten wir auch den Außenstandort in Berlin-Adlershof, wo ein großer
Teil der experimentellen Forschung stattfindet. Unser Anspruch war es dabei nicht nur,
zuzuschauen, sondern aktiv mitzuarbeiten und die wissenschaftlichen Hintergründe
der einzelnen Verfahren zu verstehen.
Unser Praktikum begann am Montag am Hauptstandort. Nach einer Einführung in die
Struktur der Einrichtung und deren Aufgabenbereiche wurden wir in die Abteilung 5,
Fachbereich 5.2, geführt. Dort beschäftigten wir uns mit der mechanischen Prüfung von
Keramikproben. Nach der Norm DIN EN 843-1:2006 bestimmten wir die Biegefestigkeit
mittels Vierpunktbiegung. Bei diesem Verfahren wird eine Probe auf zwei äußere
Auflagepunkte gelegt und durch zwei weitere, innen liegende Punkte belastet. Dadurch
entsteht ein definierter Bereich mit konstantem Biegemoment, was eine besonders
präzise Bestimmung der Biegefestigkeit ermöglicht. Nach der Durchführung des
Versuchs werteten wir die gemessenen Daten aus und berechneten eigenständig die
resultierende Biegefestigkeit. Dabei wurde uns deutlich, wie wichtig standardisierte
Prüfverfahren sind, um vergleichbare und reproduzierbare Ergebnisse zu gewährleisten.
Zum Abschluss des Tages erhielten wir einen Vortrag über die Aufgaben der BAM, ihre
historische Entwicklung sowie die verschiedenen Berufsfelder innerhalb der
Einrichtung.
Am darauffolgenden Tag wurden wir nach einer ausführlichen Sicherheitsunterweisung
in praktische Laborarbeiten eingeführt. Wir evakuierten eine Glasampulle mit einer
Metallprobe und versiegelten diese unter Vakuum. Dabei lernten wir, wie empfindlich
viele Materialien auf Sauerstoff oder Feuchtigkeit reagieren und weshalb kontrollierte
Atmosphären in der Forschung unverzichtbar sind. Anschließend erhielten wir einen
Einblick in die Arbeit eines weiteren Fachbereichs, in dem mithilfe von
Computersimulationen und künstlicher Intelligenz Materialeigenschaften wie
beispielsweise Korrosionsanfälligkeit prognostiziert werden. Besonders interessant
war, dass digitale Modelle reale Experimente nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen
und vorbereiten können. Diese Verbindung aus experimenteller Forschung und
moderner Datenanalyse verdeutlichte, wie interdisziplinär die Materialwissenschaft
inzwischen arbeitet.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Herstellung eigener Legierungen. Wir
produzierten zwei Kupfer-Eisen-Legierungen mit unterschiedlichen Massenanteilen (90
% Eisen / 10 % Kupfer sowie 95 % Eisen / 5 % Kupfer bei jeweils 40 g Gesamtmasse).
Die Berechnung der benötigten Stoffmengen erfolgte unter Berücksichtigung der
molaren Massen der jeweiligen Elemente, da die exakte stoffliche Zusammensetzung
entscheidend für die späteren Materialeigenschaften ist. Im Vakuumlichtbogenofen
wurden die Metalle unter kontrollierten Bedingungen aufgeschmolzen. Durch das
Vakuum wird verhindert, dass unerwünschte Oxidationsreaktionen stattfinden und
Verunreinigungen entstehen. Anschließend zogen wir aus dem geschmolzenen Material
Stäbe, die als Proben dienten. Dieser Prozess machte deutlich, wie präzise und
kontrolliert metallische Werkstoffe hergestellt werden müssen, um definierte
Eigenschaften zu erzielen.
Am Außenstandort in Berlin-Adlershof nahmen wir an einem ganztägigen Kurs zur
Laborautomatisierung teil. Dort wurde der offene Kommunikationsstandard SiLA2
(Standardization in Laboratory Automation) vorgestellt, der eine einheitliche Vernetzung
und Steuerung von Laborgeräten ermöglicht. Ziel dieses Standards ist es, Geräte
unterschiedlicher Hersteller kompatibel zu machen und automatisierte
Versuchsabläufe zu vereinfachen. Wir lernten, wie ein entsprechender Server
eingerichtet wird, wie Geräte eingebunden werden und wie man automatisierte
Prozesse programmiert. Diese praktische Erfahrung zeigte uns deutlich, wie stark
Digitalisierung und Automatisierung die zukünftige Forschung prägen werden.
Ein weiterer Einblick erfolgte im Bereich der Rasterkraftmikroskopie. Dieses Verfahren
erlaubt es, Oberflächen im Nanometerbereich zu analysieren. Eine extrem feine Spitze
tastet die Oberfläche zeilenweise ab und misst selbst kleinste Höhenunterschiede.
Dadurch können dreidimensionale Oberflächenprofile erstellt werden. Wir
untersuchten eine Aluminiumprobe und werteten die entstandenen Daten aus. Dabei
wurde deutlich, wie wichtig detaillierte Oberflächenanalysen beispielsweise für die
Bewertung von Verschleiß oder Beschichtungen sind.
In der zweiten Woche beschäftigten wir uns intensiv mit modernen
materialanalytischen Verfahren wie der Röntgen-Photoelektronen Spektroskopie (XPS),
dem Rasterelektronenmikroskop (REM/SEM) sowie der energiedispersiven
Röntgenspektroskopie (EDS). Die XPS basiert auf dem photoelektrischen Effekt. Eine
Probe wird mit Röntgenstrahlung bestrahlt, wodurch Elektronen aus den obersten
Atomschichten herausgelöst werden. Misst man deren kinetische Energie, kann man
auf die jeweilige Bindungsenergie schließen. Diese ist elementspezifisch und
ermöglicht Aussagen über die chemische Zusammensetzung sowie über
Oxidationszustände. Da nur die obersten Nanometer der Oberfläche analysiert werden,
eignet sich das Verfahren besonders zur Untersuchung von Korrosionsschichten oder
dünnen Beschichtungen.
Das Rasterelektronenmikroskop arbeitet mit einem fokussierten Elektronenstrahl, der
über die Probe geführt wird. Durch die Wechselwirkungen zwischen Elektronen und
Material entstehen Signale, aus denen hochauflösende Bilder erzeugt werden. Dadurch
lassen sich selbst sehr feine Strukturen sichtbar machen, die mit einem
Lichtmikroskop nicht erkennbar wären. Ergänzend dazu analysiert die EDS die
charakteristische Röntgenstrahlung, die bei der Anregung der Atome entsteht. So kann
die elementare Zusammensetzung eines Materials bestimmt werden. Zunächst
erarbeiteten wir die theoretischen Grundlagen dieser Verfahren und verglichen unsere
Ergebnisse. Anschließend erhielten wir die Möglichkeit, die Geräte zu öffnen und deren
Aufbau aus nächster Nähe zu betrachten, was unser Verständnis deutlich vertiefte.
Ein weiteres Highlight war die Besichtigung eines Teilchenbeschleunigers am
Außenstandort. Da dieser zu diesem Zeitpunkt außer Betrieb war, konnten wir ihn sogar
von innen betrachten. Uns wurde erklärt, wie geladene Teilchen durch elektrische
Felder beschleunigt werden und wie solche Anlagen für materialanalytische
Untersuchungen genutzt werden. Besonders interessant waren auch die Einblicke in
die technische Entwicklung der Anlage, da dort noch Geräte aus unterschiedlichen
Modernisierungsphasen vorhanden sind.
Darüber hinaus unterstützten wir bei der Automatisierung eines Labors und halfen beim
Aufbau von Roboterarmen. In einem nahezu vollständig automatisierten Labor konnten
wir beobachten, wie selbstständig Legierungen hergestellt und anschließend auf ihre
Beständigkeit geprüft wurden. Diese Kombination aus Robotik, künstlicher Intelligenz
und klassischer Materialwissenschaft zeigte eindrucksvoll, wie sich die Forschung in
den kommenden Jahren weiterentwickeln könnte.
Zusammenfassend war das Praktikum bei der Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung eine äußerst bereichernde Erfahrung. Wir konnten nicht nur theoretisches
Wissen vertiefen, sondern auch eigenständig praktische Tätigkeiten ausführen und
hochmoderne Forschungseinrichtungen kennenlernen. Besonders beeindruckend war
die Verbindung aus traditioneller Werkstoffprüfung, hochentwickelter
Oberflächenanalytik, computergestützten Simulationen und fortschreitender
Laborautomatisierung. Zudem erlebten wir eine offene und respektvolle
Arbeitsatmosphäre, in der wir uns jederzeit ernst genommen fühlten. Das Praktikum
hat unser Interesse an naturwissenschaftlich-technischen Studien- und Berufsfeldern
weiter gestärkt und wird uns nachhaltig in Erinnerung bleiben.





























