Programm 2022

Programm der
32. Auricher Wissenschaftstage

05. September 2022

Eröffnungsveranstaltung

Digitales Grußwort der Bundesministerin
Bettina Stark-Watzinger

Jenseits von Afrika: Der Weg des Homo sapiens nach Europa unter dem Einfluss von Klima- und Umweltveränderungen

Prof. Dr. Thomas Litt

Universität Bonn
Institut für Geowissenschaften

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Die Wiege des modernen Menschen befindet sich in Afrika – das ist seit einem halben Jahrhundert bekannt. Vor einem Jahrzehnt herrschte noch die Auffassung, dass vor rund 70.000 Jahren eine kleine Gruppe des Homo sapiens von Afrika nach Europa einwanderte. Durch anatomische und intellektuelle Überlegenheit soll sie bei ihrem Vormarsch archaische lokale Populationen verdrängt haben, wodurch sich der Homo sapiens als einzige Art der Menschheit durchsetzte.

Dieses Bild hat sich grundlegend verändert, seit sich herausgestellt hat, dass nicht nur eine Migrationswelle, sondern mehrere, auch ältere afrikanische Homo-sapiens-Populationen sich auf ihre Reise nach Eurasien begeben haben. Verbesserte radiometrische Datierungen von Homo sapiens-Fossilien legen darüber hinaus nahe, dass das Ursprungsgebiet des modernen Menschen nicht nur Ostafrika, sondern auch Süd-und Nordwest-Afrika umfasst. Die Zeitskala des modernen anatomischen Menschen reicht nun bis auf 300.000 Jahre zurück.

Ein Forscherteam entschlüsselte in den vergangenen zwölf Jahren im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 806 „Unser Weg nach Europa“ das komplexe Zusammenspiel von kulturellen Innovationen und Umweltveränderungen, das die Wanderungen prägte. Die Arbeitsgruppe um Prof. Litt untersuchte speziell, welche Wege der Homo sapiens von Afrika nach Eurasien in den vergangenen Jahrhunderttausenden genommen hat bzw. wann und wo aus paläoökologischer und paläoklimatologischer Sicht Migrationskorridore oder -barrieren vorhanden waren. Es zeigte sich, dass der östliche Küstenstreifen des Mittelmeeres zwischen der heutigen Türkei und Ägypten, die sog. Levante, als einzige permanente Landverbindung zwischen Afrika und Eurasien die Schlüsselregion als Migrationsweg des modernen Menschen war.

Litt´s Arbeitsgruppe forschte intensiv an Bohrkernen etwa aus dem Toten Meer oder dem See Genezareth, in denen die Umweltgeschichte der letzten Jahrhunderttausende hervorragend konserviert und dokumentiert ist. Somit lassen sich Veränderungen des Pflanzenkleids ablesen und die Klimaverhältnisse rekonstruieren, die maßgeblichen Einfluss auf die Lebensbedingungen des Homo sapiens als Jäger und Sammler hatten. Die Daten verdeutlichen, dass die Levante nur in bestimmten engen Zeitfenstern als Migrationskorridor in Frage kam, wenn unter günstigeren Klimabedingungen weder Wüsten noch dichte Wälder den Vormarsch erschwerten und somit den Weg nach Europa öffneten.

09. September 2022

Wasserstoff, die Energie der Zukunft?

Prof. Dr. Detlef Stolten

FZ Jülich
Institut für Energie-und KlimaforschungRobert Koch Institut Berlin

13. September 2022

Spektrallinien, ein atomarer Fingerabdruck

Prof. Dr. Joachim Sauer

Humboldt Universität zu Berlin
Institut für Chemie

14. September 2022

Unser Leben mit Bakterien

Prof. Dr. Jörg Overmann

Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen

15. September 2022

Das Welterbe im Harz – Vermittlungs- und Entwicklungsperspektiven einer Kulturlandschaft

Gerhard Lenz M.A.

Weltkulturerbe Rammelsberg

22. September 2022

Sprachkampf, oder: Welchen Wert hat die deutsche Sprache?

Prof. Dr. Henning Lobin
Universität Mannheim Leibniz
Institut für Deutsche Sprache

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Um die deutsche Sprache gibt es heftige Auseinandersetzungen: gendergerechte Sprache, „politische Korrektheit“, sprachliche Manipulation, vor 25 Jahren die Rechtschreibreform. Derartige Auseinandersetzungen haben Tradition, wie ein Blick in die Sprachgeschichte zeigt. Im 19. Jahrhundert etwa sollte die groß angelegte Abschaffung der französischen Fremdwörter das neue nationale Selbstbewusstsein demonstrieren, das nach der späten Reichsgründung 1871 aufgekommen war.

Allen diesen Auseinandersetzungen liegt dabei die Frage zugrunde, was für ein Wert der Sprache zugemessen wird. Wie ist der praktische Wert der deutschen Sprache, ihr kultureller, gesellschaftlicher oder auch ihr nationaler Wert zu fassen?

Im Vortrag wird gezeigt, wie unsere Sprachauffassungen im 19. Jahrhundert entscheidend geprägt wurden, wie sie heute weiterwirken und in die aktuellen sprachpolitischen Konflikte einfließen. Es soll aber auch darum gehen, wie der ursprüngliche Wert, den das Deutsche für die Entwicklung Deutschlands in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht hatte, im Deutschland des 21. Jahrhunderts Wirkung entfalten kann.

27. September 2022

You're being watched - Tipps und Tricks der Hacker

Prof. Dr. Arno Wacker und Dr. Kieselmann

Forschungsinstitut CODE von der Universität der Bundeswehr München

 

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In diesem Vortrag demonstrieren wir live, wo Gefahren für die eigenen Daten im alltäglichen Umgang mit der digitalen Welt lauern. Anhand verschiedener praxisnaher Beispiele stellt wir Angriffe und entsprechende Gegenmaßnahmen vor. Dabei werden wir u.a. E-Mails abfangen, in ein WLAN-Netz einbrechen und ein Windows-PC aus der Ferne vollständig übernehmen. Ziel des Vortrags ist es, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer im digitalen Alltag zu schärfen, denn wenn man mit einem gesunden Sicherheitsbewusstsein in der digitalen Welt unterwegs ist, ist ein wirksamer Schutz oft einfacher als gedacht.

05. Oktober 2022

Die Varusschlacht – Mission Impossible?

Dr. Stefan Burmeister

Die Varusschlacht im Osnabrücker Land

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Seit mehr als 30 Jahren wird in Kalkriese archäologisch geforscht. Mehr als 7000 römische Funde sind bislang ans Tageslicht gekommen. Ist Kalkriese ein Ort der historischen Varusschlacht? Vieles spricht dafür; doch Zweifel an dieser Deutung stehen weiterhin im Raum. Zwei historische Ereignisse für den Fundniederschlag vor Ort werden diskutiert: War es die Varusschlacht 9 n. Chr. oder die Schlacht an den Langen Brücken 15 n. Chr. Weder die Archäologie noch die Geschichtswissenschaft erlauben bislang eindeutige Aussagen.

In dem Vortrag werden die grundlegenden Probleme bei der historischen Interpretation des Fundplatzes dargestellt sowie Einblicke in die archäologischen Forschungen der letzten 30 Jahre in Kalkriese gegeben. Die jüngsten Untersuchungen geben Anlass, den Fundplatz neu zu denken. Es ist work in progress, bei dem die Zuhörer und Zuhörerinnen für den Abend dabei sein können.