Von Leonie und Maja
12.10.2025 bis zum 25.10.2025
Die Herbstferien verbrachten wir, Maja Klünder und Leonie Reiter, durch das Stipendiatenangebot der Auricher Wissenschaftstage am Kunsthistorischen Institut in Florenz. Vom 12.10. bis zum 25.10.2025 hatten wir die einzigartige Möglichkeit, uns näher mit der Kunst in Kombination mit Geschichte und sozialen Aspekten vertraut zu machen und tiefer in den Forschungsalltag einzudringen.
Unter der Leitung von Frau Eva Mußotter und Frau Clara Forcht lernten wir die Bibliothek kennen, jedoch war auch das Erkunden der Stadt und ihrer Kultur großer Teil unseres Aufenthalts in Florenz. Während dieser zwei Wochen kamen wir in der Klosterpension „Casa per Ferie Regina del Santo Rosario“ unter, welche praktischerweise gegenüber von dem Institut zu verorten ist.
Am ersten Arbeitstag, dem Montag, kamen wir um 9:00 Uhr am Institut an. Vor Ort gab es zunächst eine grobe Einführung in die Bibliothek durch Frau Mußotter. Es folgte ein tieferer Einblick durch eine weitere Praktikantin. Sie stellte uns einigen Mitarbeitenden vor und präsentierte die vier Standorte des Instituts. Davon waren zwei für unseren Aufenthalt relevant: Die „Via Giusti“ und die „Via Modena“.
In jener richteten wir unser Büro ein und erlernten das Sortieren der Bücher, in dieser wurden wir in das Ausleihverfahren eingeführt. Somit pendelten wir erstmals zwischen beiden Standorten und sammelten erste Eindrücke von Florenz. Letztlich gaben wir eigenständig Bücher zurück und vertieften dadurch unseren Orientierungssinn in der verwinkelten Bibliothek der „Via Giusti“. Nach der Arbeit am Institut schauten wir uns erstmals im Zentrum der Stadt um. Wir besuchten unter anderem die Buchhandlung „Giunti Odeon“, doch auch betrachteten wir die Architektur der Stadt näher.
Tag zwei war geprägt vom weiteren Arbeiten mit den Büchern. Erneut bereiteten wir sie zur Rückgabe vor, des Weiteren wurden wir in das Mailsystem des KHI eingepflegt. Dafür wechselten wir unser Büro und lernten dort den bibliotheksinternen Katalog „Kubikat“ kennen. Anhand dessen kategorisierten wir einige Bücher danach, ob sie vor Ort im System existierten oder nicht vorhanden waren. Es folgte eine eigenständige Bücherausleihe für Frau Forcht an der „Via Modena“. Schließlich nutzten wir die Küche des Instituts und besuchten die „Ponte Vecchio“, um uns weiter mit Florenz vertraut zu machen. Am dritten Tag holten wir Materialien aus der „Cancelleria“, um den Einzug in unser neues Büro zu finalisieren. Abgesehen davon erledigten wir unsere tägliche Aufgabe: die Büchersortierung. Um 12:00 Uhr nahmen wir an einer einführenden Infoveranstaltung über die Bibliothek teil, welche unseren Orientierungssinn bestärkte, und lernten weitere Praktikant*innen kennen. Daraufhin besuchten wir einen englischen Vortrag und eine anschließende Diskussion über Erdbeben auf den Philippinen und Sizilien, wodurch wir Einblicke in ein völlig fremdes Themenfeld gewannen. Um 15:00 Uhr fand eine weitere Diskussion über die Organisatoren von „It’s a Match!“ statt. Dabei handelt es sich um regelmäßige Veranstaltungen, die von Mimi Cheng und der „Lise Meitner Group ‚Coded Objects‘“ ins Leben gerufen werden. Die Diskussion, die wir besuchten, hieß „Resistant Objects“ und brachte eindrucksvolle Sichtweisen, wie den Zusammenhang zwischen Fotografie und Rassismus, mit sich.
Der vierte Tag umfasste dreistündiges Korrigieren von Texten. Diese erstreckten sich über gut 50 A3 Seiten und an dem Tag schafften wir es rund 25 davon auf Fehler zu überprüfen. Den übrigen Teil korrigierten wir an zwei anderen Arbeitstagen. Nach dieser konzentrationserfordernden Aufgabe gestalteten wir unseren Nachmittag ruhig. Dafür gingen wir zunächst in einen kaum besuchten, aber schönen Rosengarten und um den Tag abzurunden, betrachteten wir Florenz aus einem neuen Winkel – von der „Piazzale del Michelangelo“ aus sahen wir die Stadt aus der Vogelperspektive.
Tag fünf widmeten wir dem Workshop „Art History, Epistemic Injustice and Ideological Violence”. Von den sechs Diskussionen stachen vor allem zwei hervor: „On the Coloniality of Abstract Art” von Max Boerma und „Of Passions and Obsessions: Contemporary Iranian Art and the Limits of Testemony” von Foad Torshizi. Erstere handelte von dem Ursprung Abstrakter Kunst und ihrer Entwicklung, zudem wurde ein Zusammenhang zu Rassismus geknüpft. Letztere Diskussion befasste sich mit der Funktion von Kunst und wie ein nicht westliches Werk für ideologische Zwecke ausgenutzt werden könne. Besonders spannend war die
Erweiterung des künstlerisch-sozialen Horizonts. Außerdem bestand die erstklassige Möglichkeit, ins direkte Gespräch mit den Referent*innen zu kommen oder sich sogar mit eigenen Gedanken in die Diskussionen einzubringen.
Auch das Wochenende konnte produktiv genutzt werden. Samstag ging es mit dem Zug nach Pisa. Neben dem Turm selbst wurde auch die Architektur der Stadt genauer betrachtet, welche aber recht ähnlich zum Stil von Florenz war. Dennoch schafften die bunten Gassen eine schöne Atmosphäre, insbesondere, weil die Pastelltöne der Häuser stark ins Auge fielen. Den Sonntag verbrachten wir im Museum „Fortezza da Basso“, um die Ausstellung „Light and Darkness“ von Tim Burton zu bestaunen. Das Tagesticket umfasste dabei das gesamte Museum, in welchem einige Künstler*innen ihre Werke präsentierten. Somit widmeten wir also Bericht für die das gesamte Wochenende dem Kennenlernen diverser Kunst und sammelten viele neue Erfahrungen.
Der zweite Montag gestaltete sich erneut als effizient. Nicht nur schafften wir es, die Textkorrektur zu beenden, sondern wir haben zudem den Besuch einer georgischen Ministerin vorbereitet. Dazu gehörte unter anderem das Präparieren eines Mittagsbuffets. Im Anschluss an dieses Treffen lernten wir den Institutsdirektor Herrn Gerhard Wolf kennen, welcher sich zuvor auf einer Reise in Argentinien befand. Er lud einige Mitarbeiterinnen der Abteilung zu einem gemeinsamen Essen in seinem Büro ein und wir kamen in einen Austausch darüber, was zurzeit in der Abteilung passiert beziehungsweise welche Vorhaben in der nahen Zukunft anstehen. Am darauffolgenden Dienstag starteten wir das Praktikum damit, den Bericht zu schreiben. Zudem bekamen wir durch Frau Mußotter Zugriff auf die sogenannten „ICOM“-Karten („International Council Of Museums“), welche es uns erlaubten, einige Museen kostenfrei zu betreten. Frau Forcht gab uns anschließend die Aufgabe, Bücher aus ihrem Büro in unseres zu räumen und dort in die Kategorien „vor Ort vorhanden“ und „nicht vorhanden“ zu separieren. Dafür nutzten wir erneut das bibliotheksinterne System „Kubikat“. Der Nachmittag bestand aus individuellen Museumsbesuchen. Während Leonie die „Galleria dell’Accademia“ besuchte, um dort die Statue „David“ zu begutachten, hörte Maja der Preisverleihung Tim Burtons zu, bei welcher der Künstler den „Lorenzo il Magnifico“ entgegennahm.
Der folgende Tag wurde zunächst damit verbracht, Bücher aus der „Via Modena“ zu holen. Dafür erhielten wir eine Liste von Frau Bianca Ossicini, mit welcher wir unser Büro teilten. Später besichtigten wir eines der meistbesuchstesten Museen weltweit – die „Uffizi Gallery“. In diesem Museum fiel vor allem die mittelalterliche, religiöse und teils auch barockische Kunst auf. Des Weiteren konnten wir einige Skulpturen im „Eastern Corridor“ betrachten, einem langen Gang, der sich gänzlich der Präsentation von Statuen widmet. Auch hatten wir die Möglichkeit, das bekannte Gemälde „Die Geburt der Venus“, welches von Sandro Botticelli gemalt wurde, zu sehen.
Am vorletzten Tag nahmen wir an der Veranstaltung „Archiving the Nation, Undermining the State: The Iconographic Repertoire of Spain (1914-1929)” teil. Dabei behandelte Frau Lucia Mallart die Rolle der Fotografie in Archiven und wie sie von einem Staat als propagandistisches Mittel genutzt werden könne. Um 15:30 Uhr ging es dann in den „Pitti Palace“. In diesem wurden sowohl royale Räumlichkeiten, als auch Kunstwerke und Mode ausgestellt. Somit konnten viele Bericht für die verschiedene Eindrücke aus der damaligen Zeit gesammelt werden, nicht zuletzt, weil der Palast unterschiedlichste Kunstformen beherbergte.
Besonders hervorzuheben ist dabei, dass die Gemälde auf den Betrachtenden wie eine Zeitreise wirkten. So wurde er unter anderem durch die Epochen des Barock, der Romantik, des Impressionismus und des Expressionismus geführt. Der letzte Tag fokussierte die Finalisierung des Berichts. Wir gaben die „ICOM“-Karten zurück und wurden dann vor Abreisetag liebevoll von den Mitarbeitenden des Instituts verabschiedet. Am Nachmittag gingen wir in den „Giardino Boboli“, um die florentinische Kultur und Natur ein letztes
Mal zu spüren. Zudem hielten wir uns nochmal auf der „Piazzale del Michelangelo“ auf, sodass wir unser Praktikum mit dem gesellschaftlichen Charme der Stadt ausklingen lassen konnten.
Insgesamt ist festzuhalten, dass die Auricher Wissenschaftstage unseren Horizont durch das Stipendium am KHI in großen Teilen bereichert haben. Nicht nur durften wir die wissenschaftliche Arbeit innerhalb einer Bibliothek kennenlernen, sondern uns auch mit bildnerischer und architektonischer Kunst sowie einer völlig fremden Stadt und ihrer Kultur vertraut machen. Wir bedanken uns herzlichst bei der Organisation, dass sie uns diese unvergessliche Erfahrung ermöglichte. Vor allem gilt unser Dank Frau Eva Mußotter und Frau Clara Forcht, da sie uns wärmstens und mit Offenheit für Fragen angeleitet haben, sowie dem Institut, welches uns seit dem ersten Tag in das Team rund um die Abteilung von Herrn Wolf eingegliederte und uns die Chance gab, an zahlreichen interessanten Diskussionen teilzunehmen.









